Bauwerksuntersuchungen

Bauwerksuntersuchungen

Das Vorliegen eines Schadensgutachtens reicht als Grundlage für die Instandsetzungsplanung allein nicht aus. Die Kenntnis aller relevanten Kennwerte wie z. B. Altbetondruckfestigkeit, Schichtdicken, Oberflächenzugfestigkeit, tiefengestaffelte Chloridverteilung, Lage und Zustand der Bewehrung usw. ist für eine fachgerechte Planung der Instandsetzungsmaßnahmen unbedingt erforderlich. Da wir – als sachkundige Planer - den Erfolg der Instandsetzung schulden, ist es unsere Pflicht alle erforderlichen Kennwerte einzuholen bzw. im Vorfeld der Planung den IST-Zustand zu ermitteln.

Während unserer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am CBM der TU München eigneten wir uns die Grundlagenkenntnisse sowie die Mess- und Auswertemethoden für die wissenschaftliche Materialprüfung von Baustoffen an. 

Heute fällt es uns leicht die richtigen projektbezogenen Untersuchungsmethoden auszuwählen. Mit personeller Unterstützung werden die zur Ermittlung des IST-Zustandes erforderlichen Vor-Ort-Untersuchungen in der Regel eigenständig durchgeführt bzw. die Proben für die Laboruntersuchungen entnommen. Bei großflächigeren Untersuchungen werden auch gerne renommierte Prüfinstitute eingesetzt, so dass sie die Auswertung der Bauwerksuntersuchungen immer aus einer Hand erhalten. 

Da es aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll ist die Bauteile lückenlos zu untersuchen muss der sachkundige Planer die Lage und Anzahl der Probestellen festlegen. Die erforderliche Anzahl der Probestellen ist nicht über einen Prozentsatz der vorhandenen Bauteile oder Fläche geregelt. 

Die nachfolgenden Beschreibungen und Fotos zeigen Prüfungen die wir täglich zur Untersuchung von Bauteilen und Bauwerken aus Stahlbeton einsetzen:

Betonüberdeckung (zerstörungsfrei)

Gemäß Eurocode 2 wird zur Gewährleistung der Dauerhaftigkeit bei bewehrten Betonbauteilen in Abhängigkeit der Expositionsklasse z.B. XC/XD/XS/XA eine bestimmte planmäßige Betondeckung cnom vorgeschrieben. 

Wir ermitteln die Betondeckung cIST am fertigen Bauteil zerstörungsfrei nach dem Wirbelstrom-Prinzip mit Pulsinduktion mittels Profometer PM-650 (Hersteller Proceq) bzw. dem FERROSCAN PS300 (Hersteller Hilti). Die Wirkungstiefe mit der Standardsonde beträgt 70 mm bzw. 200 mm. In diesem Messbereich wird eine Genauigkeit von +/- 1 mm erreicht.

Bei der Beurteilung der Messergebnisse entspricht das 5%-Quantil dem Annahmekriterium für den Nachweis der Mindestbetonüberdeckung cmin. Gemäß DBV „Merkblatt Betondeckung und Bewehrung“ kann bei dem qualitativen Nachweis die zulässige Anzahl k der Schwellenwertunterschreitungen in Abhängigkeit von der Messpunktanzahl aus einem Diagramm abgelesen werden.

Bestimmung der Karbonatisierungstiefe

Das in der Porenflüssigkeit gelöste Kalziumhydroxid (Ca(OH)2) stellt den hohen pH-Wert von >12,5 der Betonüberdeckung und somit die Passivierung der eingebetteten Stahlbewehrung sicher.

Dringt das in der Luft enthaltene Kohlendioxid (CO2) in die Poren ein, so kommt es zur chemischen Reaktion und der Bildung von Kalkstein (CaCO3), was mit dem Absinken des pH-Wertes auf < 9 einhergeht. Da dieser Vorgang sukzessive von außen nach innen erfolgt spricht man von der Karbonatisierungsfront oder -tiefe.

Die Karbonatisierungstiefe wird an bestehenden Betonbauteilen durch Besprühen von frischen Bruchflächen mit einer Indikatorlösung bestimmt. Als Indikatorlösung hat sich eine Lösung von 1%igem Phenolphthalein in 70%igem Alkohol mit 30% destilliertem Wasser bewährt. Die Farbe der Lösung schlägt im Bereich von pH > 9 von farblos in violett um (Abbildung 1). Liegt die Bewehrung im violetten Bereich – also im nichtkarbonatisierten Beton – so besteht keine Korrosionsgefahr für die Bewehrung.

Zur Schaffung von frischen Bruchflächen am Betonbauteil wird eine trichterförmige Ausbruchstelle mit einem Meißel oder einem Presslufthammer gestemmt. Die Tiefe der Ausbruchstelle ist so zu wählen, dass der nicht karbonatisierte Betonbereich erreicht wird. Die frische Ausbruchstelle ist mittels Pinsel oder Absaugen/Abblasen von Partikeln und Staub zu befreien und mit der Indikatorlösung möglichst fein und gleichmäßig zu besprühen. Nach wenigen Minuten verfärbt sich im Falle von Phenolphthalein der alkaische „gesunde“ Beton violett und die karbonatisierte, äußere Betonschicht bleibt unverfärbt. Es wird sowohl der Mittelwert als auch der Maximalwert der Karbonatisierungstiefe in mm gemessen und protokolliert. 

Über Formeln und Nomogramme lässt sich anhand der Untersuchungsergebnisse die Restnutzungsdauer für die Planung der Instandsetzungsmaßnahmen nach der neuen Technischen Regel Instandhaltung von Betonbauwerken (Fassung Mai 2020) des DIBt abschätzen.

Zerstörungsfreie Prüfung der Betondruckfestigkeit mittels Schmidt-Rückprallhammer

Die Prüfung von Beton mittels des Schmidt-Rückprallhammers ist ein gängiges Verfahren, um die Oberflächenhärte des Betons zu bestimmen.

Diese Methode eignet sich um die Betondruckfestigkeit abzuschätzen, die Homogenität von Betonbauteilen zu bestimmen und somit eventuell vorhandene Bereiche mit geringerer Festigkeit zu selektieren. Im Bereich der Instandsetzung von Betonbauteilen kann ebenfalls die Erhärtungsgeschwindigkeit des Reprofilierungsmaterials unter den vorherrschenden Umgebungsbedingungen abgeschätzt werden. 

Diese Methode basiert auf der Rückprallenergie, d.h. je härter die Betonoberfläche ist, desto größer fällt der Rückprallwert aus. Die Norm DIN EN 12504-2 schreibt die Durchführung wie folgt vor: Prüfung nur an geschalten oder glatten Betonoberflächen, ansonsten sind Anstriche, Beschichtungen, usw. glatt abzuschleifen, je Prüffläche sind mindestens neun Aufschlagpunkte (Abstand 25 bis 50 mm) notwendig, um den Medianwert einer Prüffläche zu bestimmen. Proceq, der Hersteller des Schmidt-Rückprallhammers, stellt Diagramme zur Beziehung zwischen dem Rückprallwert R und der mittleren Würfeldruckfestigkeit bereit.

Bei Verwendung des Rückprallhammers nach Schmidt Modell N bei Normalbeton kann die Konformität der Druckfestigkeit von Bauwerksbeton mit der Festigkeitsklasse nach DIN EN 206-1 gutachterlich nur bewertet werden, wenn beide Kriterien (Mindestmedian je Prüfstelle, Mindestmedian je Prüfbereich) für den jeweiligen Prüfbereich erfüllt sind. Dabei stellen die angegebenen Mindestwerte sehr sichere Schätzwerte für die tatsächliche Druckfestigkeit des Ortbetons dar.

Zur Beurteilung der Betondruckfestigkeit von Bauwerken können Rückprallhammerprüfungen nur dann verwendet werden, wenn sie mit Hilfe von Bohrkernprüfungen kalibriert werden (DIN EN 13791).

Bohrkernentnahme zur Bestimmung der Druck- und Spaltzugfestigkeit, des E-Moduls, des Betongefüges, des LP-Gehaltes u.v.m.

Zum Nachweis der Bauwerksfestigkeit und zur Überprüfung durchgeführter zerstörungsfreier Messungen mit dem Schmidt-Rückprallhammer werden mit einer diamantbesetzten Bohrkrone aus den Betonbauteilen Bohrkerne gezogen.

Bohrkerne können auch zur Feststellung des Schichtaufbaus (Estrichdicke, Beschichtungsdicke), des Betongefüges/Sieblinie, der Bestimmung der Wassereindringtiefe, des Porengehaltes bzw. der Porenverteilung u.v.m. herangezogen werden.

Im Idealfall liegt der Bohrkerndurchmesser zwischen 75 und 100 mm. Diverse Prüfungen am Festbeton können auch Durchmesser von 150 mm erforderlich machen. Die Länge der Bohrkerne sollte mind. das 1,3fache des Durchmessers betragen um ein Abkeilen zu erleichtern und das planparallele Abschleifen der Stirnflächen auf eine Probekörperschlankheit von 1,0 zu ermöglichen. Durch das vorangehende Einmessen der Bewehrung soll vermieden werden, dass die Bohrkerne Bewehrungsstäbe enthalten, da diese die Druckfestigkeitsprüfung beeinflussen. Mit Hilfe eines Wassermanagement-Systems wird das Bohrwasser aufgefangen, gefiltert und wiederverwendet und gleichzeitig die Verschmutzung der Umgebung vermieden.

Schichtdickenbestimmung von Oberflächenschutzsystemen

Die Technische Regel Instandhaltung von Betonbauwerken des DIBt (kurz: TR IH) beschreibt die unterschiedlichen Funktionen der hauptsächlich wirksamen Schichten von Oberflächenschutzsystemen.

Jeder hauptsächlich wirksamen Oberflächenschutzschicht (hwO) ist eine oder sind mehrere der folgenden Schutzfunktionen zugeordnet:

  • Abriebfestigkeit
  • Diffusionsfähigkeit für H2O
  • Diffusionsdichtigkeit für CO2
  • Temperaturwechselbeständigkeit
  • Rissüberbrückungsfähigkeit
  • Brandverhalten
  • Griffigkeit

Da die Schutzfunktion maßgeblich von der Dicke der hauptsächlich wirksamen Oberflächenschutzschicht abhängt, gibt es Vorgaben zu den Mindest- und Maximalschichtdicken, welche im Rahmen einer Grundprüfung festgelegt wurden. 

Gemäß der TR IH sind jedoch mindestens die in der Tabelle A.1 aufgeführten Dicken als Mindestschichtdicke dmin,S der hauptsächlich wirksamen Oberflächenschutzschichten (kurz: hwO) anzusetzen. Um diese Werte bei der Ausführung einzuhalten, muss in Abhängigkeit der Rautiefe Rt des vorbereiteten Betonuntergrundes der Schichtdickenzuschlag dZ berücksichtigt werden.

Bezüglich der einzuhaltenden Mindestschichtdicke wurde 2002 in der ersten Berichtigung zur DAfStb RL SIB der Satz „gemessene Mindestschichtdicke darf in der Praxis nicht unterschritten werden“ durch „dmin der hwO ist auf 95% der zu bearbeitenden Fläche zur erreichen. 5% der Fläche darf Minderdicken bis zu 0,7* dmin aufweisen“ ersetzt. 

Wir messen die Schichtdicken von Oberflächenschutzsystemen auf unterschiedliche Weise: Während der Ausführung (z. B. im Zuge der Bauüberwachung) erfolgt die Schichtdickenmessung von der jeweiligen hwO mittels Nassfilmkamm (Messbereich 25-3000 µm). Dabei wird der Kamm senkrecht auf durch die hwO bis auf den festen Untergrund gedrückt, einige Sekunden gehalten bis die Zähne benetzt sind, und dann abgehoben. Die Nassschichtdicke liegt zwischen dem benetzten Zahn mit dem höchsten Wert und dem nicht benetzten Zahn mit dem kleinsten Wert.

Bei fertiggestellten Oberflächenschutzsystemen werden kleine Bohrkerne (∅ = 50 mm) gezogen, in der Mitte durchgesägt, die Schnittflächen geschliffen, poliert und anschließend die Dicken der einzelnen hwO-Schichten des Oberflächenschutzsystems unter Zuhilfenahme einer Lupe bzw. eines Mikroskops gemessen. Die Mindestschichtdicken beziehen sich gemäß TR IH immer auf die Trockenschichtdicke der jeweiligen hwO. Nur bei der OS 8 bezieht sich die Mindestschichtdicke auf die Gesamtschichtdicke (inkl. Grundierung und Versiegelung).

Oberflächen- bzw. Haftzugfestigkeit

Die Prüfung der Oberflächenzugfestigkeit des Betons oder der Haftzugfestigkeit eines auf den Beton applizierten OS-Systems erfolgt im Abreißversuch.

Dafür wird eine Ringnut mit einem Innendurchmeser von 50 mm bis in eine Tiefe von 5 bis 10 mm gebohrt und ein Prüfstempel auf die Oberfläche geklebt. Nach der Aushärtung des Klebers wird der Stempel mit einer spezielle Zugvorrichtung kraftgeregelt, senkrecht zur Oberfläche abgerissen. Bei Beton und starren Beschichtungen (OS 8) wird mit einem Kraftanstieg von 100 N/s und bei elastischen Beschichtungen (OS 11) mit 300 N/s geprüft. Während die DAfStb RL SIB ab 50 m2 Fläche 3 Prüfungen und pro weitere 250 m2 3 weitere Prüfungen fordert, sind es nach DIN EN 1542 mind. 5 Prüfungen und nach ZTV-ING sogar mind. 6 Prüfungen. Es werden alle Einzelwerte und der Mittelwert in N/mm2 angegeben. Die Ergebnisse sind auf 0,1 N/mm2 zu runden. 

Das vorgefundene Abrissbild ist in einem Formblatt einzutragen. Hier wird die Versagensart Kohäsion innerhalb einer Schicht (z. B. A100) oder Adhäsionsversagen zwischen zwei Schichten anteilsmäßig auf 10% gerundet (z. B. A90/B10) angegeben. Die Bruchform sollte durch Fotos, welche gleichzeitig die Ausbruchstelle und die Oberfläche des Prüfstempels zeigen, dokumentiert werden.

Die Prüfstreuung liegt selbst bei ordnungsgemäßer Prüfung im Bereich von 20 bis 25 %. In der Regel wird ein Mindestwert von 1,0 N/mm2 und als Mittelwert ≥ 1,5 N/mm2 gefordert. Ein Bestandsbeton mit diesen Oberflächenzugfestigkeiten wird gemäß der TR IH (Fassung Mai 2020) des DIBt der Altbetonklasse A4 zugeordnet. 

Tiefengestaffelte Bohrmehlentnahme

An Bohrmehlproben kann der Gehalt an Chlorid oder sonstigen aggressive Stoffen wie Sulfat oder Nitrat im Labor bestimmt werden.

Zur Ermittlung der Chlorideindringtiefe hat sich die tiefengestaffelte Entnahme von Bohrmehlproben in drei bis vier Stufen bewährt. Die Entnahme der Bohrmehlproben erfolgt mittels Schlagbohrgerät mit einem Hohlbohrer und angeschlossener Absaugvorrichtung. Das Bohrmehl einer Tiefe wird luftdicht verpackt und zur chemischen Analyse in ein Labor gebracht. Im Labor wird nach der Probenvorbereitung (Mahlen und Trocknen) der Chloridgehalt mit einem nasschemischen Verfahren (Photometrie/Titration) quantitativ bestimmt. Anschließend wird bei unbekannter Betonzusammensetzung unter der Annahme z. B. einer Betondichte von 2380 kg/m3 und einem Zementgehalt des Betons von 320 kg/m3 der Chloridgehalt in M.-% bezogen auf den Zement umgerechnet. Für den kritischen, korrosionsauslösenden Chloridgehalt gibt es, da er von der Qualität der Betonüberdeckung und den Umgebungsbedingungen des Bauteils abhängt, keinen festen Grenzwert. Als sogenannter Schwellenwert bzw. als unterer kritischer Chloridgehalt wird in der Richtlinie Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen des DAfStb einen Wert von 0,50 M.-% b. a. Z. angegeben.

Hohllagendetektion

Die technisch einfache Hohllagendetektion durch Abklopfen eignet sich zum Auffinden von lokalen Hohllagen/Kiesnestern infolge von Betonierfehlern in den oberflächlichen Schichten von Stahlbetonbauteilen (bis max. 50 mm Tiefe).

Bei hochbewehrten Bauteilen kann die dichte äußere Bewehrungslage verhindern, dass die Gesteinskörner von der Einfüllöffnung im Inneren bis zur Schalung vordringen und der Oberflächenschluss nur durch Feinmörtel geschieht.

Zur flächigen Detektion von Hohllagen am Boden eignet sich eine Kette oder ein sogenanntes Klangeisen. Dabei wird das Gerät über die Bodenfläche gezogen und auf eine Klangveränderung geachtet. Es kommt insbesondere zum Auffinden von Hohllagen infolge von Korrosion der obersten Bewehrungslage bei unbeschichteten Parkgaragen oder Fehlern beim Glätten von Industrieböden zum Einsatz.

Zur Detektion von Hohllagen in tieferen Schichten (> 50 mm Tiefe) muss jedoch auf eine technisch anspruchsvollere Messmethode wie das Ultraschall-Echo-Verfahren zurückgegriffen werden. Das Ultraschallverfahren beruht auf der Reflexion von Schallwellen an Diskontinuitäten wie Hohlstellen, Werkstoff-Inhomogenitäten, Grenzflächen oder der Bauteilrückwand. Für Ultraschall-Messungen greifen wir auf darauf spezialisierte Dienstleister zurück.

Nivellement (Ebenheit, Gefälle, Abtragstiefen)

Das Nivellement der Bodenfläche wird im Neubau zum Nachweis der Ebenheitsanforderungen in Parkgaragen oder bei Industrieböden verwendet. 

Es kann aber auch bei der IST-Zustandsermittlung in Parkgaragen zur Bestimmung des vorhandenen Gefälles eingesetzt werden. Bei unbeschichteten Betonoberflächen liegen die höchsten Chloridgehalte meist in Tiefpunktbereichen vor.

Ein Nivellement der unebenen Bodenfläche nach einem Betonabtrag mittels HDWS-Roboter stellt die Grundlage für eine Gefälleplanung und die Festlegung der Aufbetondicke bei der Reprofilierung dar.

Wir führen ein abgespecktes Nivellement aus, bei dem im Messraster 1 x 1 m jeweils ein Höhenmesspunkt bestimmt wird. In besonderen Fällen z. B. bei der nachträglichen Ermittlung des Abtragsvolumens beauftragen wir ein darauf spezialisiertes Unternehmen (z. B. CON+SCANTECH) mit einem vollflächigen 3D Scan und der computergestützten Auswertung der Daten.

Rautiefe

Nach der Untergrundvorbereitung muss vor dem Auftragen von Oberflächenschutzsystemen die Rautiefe Rt des Betonuntergrundes zur Ermittlung des erforderlichen Schichtdickenzuschlages bei Materialverbrauch bestimmt werden. 

Weiterhin spielt die Rautiefe eine maßgebende Rolle hinsichtlich der Sicherstellung des adhäsiven Verbundes zwischen Betonuntergrund und Betonersatz/Oberflächenschutz. Hierfür gibt die TR IH (Fassung Mai 2020) in Tabelle 9 die in Abhänbgigkeit des Instandsetzungssystems erforderliche Mindest-Rautiefeklasse RT0,3 bis RT3,0 vor.

Die Rauheitsbewertung von Betonoberflächen erfolgt im Regelfall mit dem Sandflächenverfahren. Andere Prüfmethoden sind nach den einschlägigen Vorschriften zulässig. Zweifel an der Relevanz des Sandflächenverfahrens gibt es kaum, weil das Verfahrensprinzip sehr plausibel erscheint. Allerdings eignet sich das Verfahren nur für horizontale oder schwach geneigte Flächen. 

Für die Prüfung benötigt man ein Gefäß mit bekanntem Volumen zwischen 20 cm3 und 50 cm3, Prüfsand (trockener Quarzsand, Körnung 0,1 – 0,5 mm), eine runde Hartholzscheibe (Durchmesser 5 cm, Dicke 1 cm) mit einem Griff und einen Meterstab. 

Bei der Prüfung wird ein definiertes Sandvolumen auf die Oberfläche ausgeschüttet und mit der runden Hartholzscheibe in kreisförmigen Bewegungen der Sand so verteilt, dass die Vertiefungen des Untergrundes gerade gefüllt sind. Dieses erkennt man daran, dass sich bei den Bewegungen ein kratzendes Geräusch einstellt und der Durchmesser des Sandflecks nicht weiter zunimmt. Die Rautiefe Rt [mm] lässt anhand des eingesetzten Sandvolumens V [cm3] und dem Durchmesser d [cm] des etwa kreisförmig verteilten Sandflecks mit folgender Formel berechnen: 

Rt =40*V/(Π* d2)

Betonfeuchte mittels CM-Gerät

Die Messung der Restfeuchte von Beton mittels CM-Gerät hat sich als kostengünstige, baustellengerechte Methode etabliert. Die Messung dauert ca. 15 Minuten. 

Bei der Probeentnahme ist darauf zu achten, dass das Material aus einer Tiefe von ca. 30 bis 40 mm entnommen, vor Feuchtigkeitsverlust geschützt (z.B. in einem geschlossenen Folienbeutel) und vor dem Einbringen in das CM-Gerät ausreichend zerkleinert wird.

Im CM-Gerät (Druckbehälter) reagiert das Calciumcarbid nach dem Zerstören der Glasampulle mit der in der Betonprobe enthaltenen Feuchtigkeit unter Bildung von Acetylen-Gas. Das entstehende Gasvolumen hängt direkt proportional von dem umgesetzten Wasser ab und wird am Druckmanometer unter Berücksichtigung der Einwaage der Betonprobe in CM-% angezeigt. I. d. R. wir als Voraussetzung für das Auftragen von Oberflächenschutzsystemen von den Herstellern eine Restfeuchte < 3 bis 4 CM-% gefordert.

Gegenüber der Darrmethode fallen die Werte um etwa 1,5 % geringer aus.

Laboruntersuchungen an Bohrkernen

Zur Klärung von Schadensursachen kann es erforderlich sein, aus den Bauteilen Bohrkerne zu entnehmen und in Prüfinstituten bestimmte Kennwerte wie z. B. Wassereindringtiefe, Porengehalte, Schleifverschleiß, E-Modul, Chlorid- oder Sulfatgehalt im Riss (LIBS-Methode; laserinduzierten Plasmaspektroskopie) usw. bestimmen zu lassen. 

Dabei ist der Bohrkerndurchmesser und -länge an die Anforderungen der jeweiligen Untersuchungsmethode anzupassen. Um eine Verunreinigung der Umgebung zu vermeiden, setzen wir bei der Bohrkernentnahme ein Wassermanagementsystem ein, welches das Bohrwasser im Kreislauf auffängt, filtert und wiederverwendet.

Potentialfeldmessung

Die Potentialfeldmessung ist ein zerstörungsfreies Prüfverfahren zur Detektion von aktiver, chloridinduzierter Korrosion an der Bewehrung. 

Mit diesem Messverfahren wird von der Betonoberfläche aus, die Potentialdifferenz zwischen einer Referenzelektrode (Punktelektrode, Radeletrode) und dem Bewehrungsstahl gemessen. Liegen bestimmte Potentialgradienten vor, können Bereiche mit korrodierender Stahlbewehrung von nicht korrodierenden Bereichen unterschieden werden. In der Regel wird eine Kupfer-/Kupfersulfatelektrode (CSE) als Bezugselektroden eingesetzt. Für Punkt- bzw. Einzelmessungen als Stützen werden Stabelektroden eingesetzt werden, während für flächige oder linienförmige Messobjekte Radelektrodensysteme zum Einsatz kommen. Die Potentialdifferenz zwischen Bewehrungsstahl und Bezugselektrode wird mit einem hochohmigen Spannungsmessgerät ermittelt.

Für einen elektrisch leitenden Kontakt ist die Bewehrung punktuell freizulegen und die Bewehrungsstäbe müssen innerhalb eines Messfeldes elektrisch leitend verbunden sein. 

Die Betonoberfläche ist vor den Messungen gleichmäßig zu befeuchten und während der Messungen gleichmäßig feucht zu halten. Auf bitumen- oder kunststoffbeschichteten Betonoberflächen ist eine Potentialmessung nicht möglich, da eine sichere elektrolytische Verbindung zum Beton nicht hergestellt werden kann. Bei üblichen Betondeckungen zwischen 3 und 4 cm kann davon ausgegangenen werden, dass die an der Oberfläche gemessenen Potentiale das tatsächliche Potential der Bewehrung gut erfassen. Die Wirkungstiefe der Potentialmessung liegt bei etwa 20 cm.

Als Messraster wird standardmäßig 25 x 25 cm verwendet. Bei kleineren Flächen und hohen Ansprüchen an die genaue Lagebestimmung kann das Raster auf Werte bis minimal 10 x 10 cm verringert werden.

Chloridinduzierte Bewehrungsstahlkorrosion führt häufig zu örtlich stark begrenzten korrodierenden Bereichen. Diese zeichnen sich bei der graphischen Darstellung im Potentialdiagramm als sogenannten Potentialtrichter – Bereiche mit  ausgeprägten, lokalen Potentialverschiebungen - ab. Im Zentrum solcher Potentialtrichter liegt das Potential häufig um 200 bis 400 mV negativer als in den umliegenden Bereichen.

Durch Sondierungsöffnungen in solchen Bereichen kann eine abschließende Zustandsbewertung der Stahlbewehrung erfolgen. Eine Interpretation der Potentialmessung bezüglich des Korrosionszustandes der Bewehrung kann nur im Zusammenhang mit folgenden begleitenden Bauwerksuntersuchungen erfolgen:

  • vollflächiges Abklopfen der Betonoberfläche zur Hohlstellenfindung
  • vollflächige Betondeckungsmessung
  • vollflächige Untersuchung der Betonoberfläche auf Risse, Abplatzungen, freiliegende Bewehrung, Entwässerungseinrichtungen.

Ferner müssen an Stellen mit verdächtigen Potentialwerten und an Referenzstellen tiefengestaffelte Chloridgehaltsbestimmungen vorgenommen werden.

Rissaufnahme (Einzelrisse und in der Fläche)

Bei Stahlbeton handelt es sich um einen sogenannten „gerissenen“ Verbundbaustoff. Im Falle von nicht vollständig überdrückten oder nach dem Entwurfsgrundsatz a) (EGS-a „Vermeidung von Trennrissen) hergestellten Bauteilquerschnitten (z. B. durch eine Vorspannung) muss von einer Rissbildung im Zuge der Nutzungsdauer ausgegangen werden.

Die Steuerung der Rissbreite erfolgt über konstruktive Maßnahmen wie den Einbau von Gleitlagen, Hydratationsgassen, den Bewehrungsgehalt usw.. In Abhängigkeit der Nutzung und der Umgebungsbedingungen sind die Mindestanforderungen an die Rissbreitenbegrenzung normativ im EC 2 geregelt.

In der Praxis werden die unterschiedlichsten Arten von Rissen, wie Schwindriss, Biegerisse und Trennrisse unterschieden. In der Planungsphase ist die Rissbreite z. B. bei WU-Bauteilen bei geringem Wasserdruck (< 3,0 m WS) auf < 0,20 mm zu begrenzen. Bei der Auswahl geeigneter, rissüberbrückender Oberflächenschutz-Systeme für Parkgaragen muss die Rissbreite um ein „Durchschlagen“ der Risse auf Werte < 0,25 bis 0,35 mm begrenzt werden.

Das die Rissbreite in der Praxis einer gewissen Streuung unterliegt, kann es erforderlich sein, diese am fertigen Bauteil zu ermitteln und statistisch auszuwerten, so dass eine Beurteilung über die Annahme des Bauteils oder die Eignung des OS-Systems getroffen werden kann.

Bei Einzelrissen führen wir die klassische Rissaufnahme mittels Rissbreitenlineal durch. Die Rissbreiten wvorh werden bei den dominierenden Einzelrissen mit dem Rissbreitenlineal (Genauigkeit ± 0,05 mm) aufgenommen und dokumentiert. Der Messabstand beträgt bei kurzen Rissen 10 bis 20 cm und kann bei langen Rissen bis 1,0 m betragen. Es müssen jedoch klar erkennbare, scharfe Risskanten ohne Ausbrüche sichtbar sein. Bei Rissbreiten kleiner 0,20 mm kann es zur Sichtbarmachung der Risse erforderlich sein die Betonoberfläche vorher anzufeuchten. Bei sehr feinen Rissen (wvorh = 0,1 bis 0,2 mm) empfiehlt sich die Verwendung von Risslupen.

Mit Hilfe digitaler Bildverarbeitungsverfahren ist es möglich, Risse in der Fläche über Digitalfotografie aufzunehmen, am Computer auszuwerten und dabei den Rissverlauf nachzuverfolgen. Das Grundprinzip ist eine optische Erkennung unterschiedlicher Grautöne von Untergrund (hell) und Riss (dunkel), wobei Rissbreiten zwischen erkannten Risskanten (Helligkeitssprüngen) entstehen.

Die digitale Rissdatenauswertung zeichnet sich durch die hohe Aufnahmeschnelligkeit (bis 5000 m2 Bodenfläche/d) sowie die Angabe von Mittelwerten und Quantilwerten von Rissbreiten aus. Die Analysesoftware liefert automatisch alle statistischen Kennwerten sowie die Risslängen- und breiten. Weiterhin ist, die eindeutige Lokalisierung und Dokumentation der Rissverläufe und -breiten z. B. bei Streitfällen von Vorteil. Die digitale Rissaufnahme empfiehlt sich daher auch zur eindeutig nachvollziehbaren Beweissicherung.

Die digitale Rissaufnahme liefert eine hohe Anzahl von Auswertungsdaten und zeichnet sich durch ihre anwenderunabhängige Reproduzierbarkeit von Messergebnissen aus, wie sie bei konventionellen Verfahren nicht gegeben ist.

Aufgrund der aufwendigen Gerätetechnik und der Herausforderung große Datenmenge je Messstrecke (ca. 25 Messwerte je Zentimeter) aufzunehmen, auszuwerten und zu speichern muss der Sachverständige auf darauf spezialisierte Unternehmen wie z. B. CON+SCANTECH zurückgreifen.

Thermografie mittels Wärmebildkamera

In der Instandhaltung von Bauwerken setzen wir die Thermografie meist bei folgenden Anwendungen ein:

  • Ortung von Störzonen, Leckagen, eingebauten Heizleitungen usw.,
  • Visualisierung von Wärmebrücken,
  • Ortung von Hohllagen (z. B. Spechtlöchern) in Wärmedämmverbundsystemen.

Bei der Thermografie wird die Intensität der Infrarotstrahlung, die von einem Punkt ausgeht, als Maß für dessen Temperatur gedeutet. Die Wärmebildkamera wandelt die für das menschliche Auge unsichtbare Infrarotstrahlung in elektrische Signale um. Daraus erzeugt die Auswerteelektronik ein Bild in Falschfarben. Für die Thermografie ist keine externe Lichtquelle erforderlich.

Handgerät

Spektralbereich 7,5 - 14 μm, Thermische Auflösung NETD < 40 mK, Temperaturbereich -20°C bis 550°C, IR Auflösung 256 x 192 Pixel, Bildwechselrate 25 Hz

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