Tiefgarage Morellstr. 33, Augsburg

Tiefgarage Morellstr. 33, Augsburg

Das Gebäude wurde im Jahre 1879 erbaut. Die Tragkonstruktion (Stützen, Unterzüge und Decken) des Untergeschosses, welches zunächst als Lagerhalle geplant und genutzt wurde, wurde in Ortbetonbauweise errichtet. In den letzten 31 Jahren wurde das Untergeschoss als Tiefgarage genutzt, so dass im Winter, der mit Tausalz belasteter Schnee in den Radkästen der Fahrzeuge, eingeschleppt wurde. Das darin enthaltene Chlorid konnte in den ungeschützten Beton an den Sockeln der Wände und Stützen eindringen und hier zu Schäden führen. 

Im Zuge einer vorangegangenen Instandsetzung in 2021 wurden nur die chloridbelasteten Stützen- und Wandsockel bis 50 cm über Boden behandelt. Diese wurden gemäß dem Verfahren 7.2 „Ersatz von chloridhaltigem Beton“ der TR IH durch den Abtrag des chloridkontaminierten Betons mittels HDW (Wasserdruck 2500 bar) und Reprofilierung mit einem Vergussbeton der Druckfestigkeitsklasse C35/45 instandgesetzt. Zur Gewährleistung der Dauerhaftigkeit wurde nach der Untergrundvorbereitung mittels HDW (Rotordüse mit einem Wasserdruck von 2500 bar) ein Oberflächenschutzsystem OS 8 (auf Basis von Epoxidharz) aufgetragen. 

Nach über 140 Jahren wiesen viele Deckenflächen zahlreiche Risse und flächige Betonabplatzungen auf. Wie die Bauwerksuntersuchungen zeigten lag der Mittelwert der Betonüberdeckung an den Decken und Unterzügen zwischen 8 und 22 mm. Die erste Lage quer zur Spannrichtung der Decke hatte einen Durchmesser von 10 mm (Stababstände ca. 65 cm) und die Hauptbewehrung in Spannrichtung einen Durchmesser von 12 mm (Stababstände ca. 15 cm). Die lokal ermittelten Karbonatisierungstiefen lagen mit Werten zwischen minimal 17 und maximal 55 mm über dem Niveau der Betonüberdeckung, so dass die Bewehrung in der Fläche nicht mehr vor Korrosion geschützt war und bei Anwesenheit von Feuchtigkeit korrodierte. Diese durch Karbonatisierung ausgelöste Korrosion ist mit einer 2,5fachen Volumenvergrößerung verbunden, so dass die dünne Betonüberdeckung „abgesprengt“ wurde. Dieser Schädigungsmechanismus beginnt meist in den Bereichen mit geringerer oder poröserer Betonüberdeckung.

Zur Sicherung der Tragfähigkeit, sowie der Verkehrssicherheit wurden die Unterzüge und Decken nach den Verfahren 7.2 (stark geschädigte Bereiche) und 7.4 (ohne größere Schäden) der TR-IH instandgesetzt. Bei der geplanten Maßnahme handelte es sich um eine statisch relevante Instandsetzung, die besondere Sorgfalt bei der Umsetzung erforderte. Die Lasten der Decken und Unterzüge wurden über umfangreiche Hilfsabstützungen abgefangen. Der Betonabtrag musste in Pilgerschritten erfolgen, was den zeitlichen Ablauf deutlich verlangsamte. 

Beim Betonabtrag mittels Hochdruckwasserstrahlen (kurz: HDWS) wurde die Bewehrung freigelegt und im gleichen Zuge auf den Reinheitsgrad SA 2 entrostet. Anschließend wurde im Trockenspritzverfahren ein Spritzbeton in einer mittleren Schichtdicke von 50 bis 60 mm aufgebracht, so dass die Betonüberdeckung gegenüber dem Bestand um 20 mm erhöht wurde. Zur Erzielung der Ebenheit und zum Verschluss der Poren und Lunker wurde ein Feinspachtel im Nassspritzverfahren aufgetragen. Dies gewährleistete einen fehlstellenfreien, geschlossenen Film des darauf applizierten OS 2 Oberflächenschutzes. Auf die Betonoberflächen oberhalb der Sockel (Stützen, Wände, Unterzüge, Decken) wurden zur „Erhöhung des elektrischen Widerstandes des Betons“ gemäß Verfahren 8.3 der TR IH ein OS 2 Oberflächenschutz-System im Airless-Verfahren aufgetragen.

Diese Webseite verwendet nur technisch erforderliche Cookies. Weitere Informationen erhalten Sie in unsererDatenschutzerklärungOK