Tiefgarage Kaminkehrergasse 4, Schrobenhausen
In der teilweise überbauten Tiefgarage aus den 80er Jahren (29 PKW-Stellplätze; Bodenfläche ca. 820 m2) waren der Boden und die Sockel der aufgehenden Bauteile nicht durch ein wirksames Oberflächenschutzsystem/Beschichtung geschützt. Es waren bereits deutlich erkennbare Hinweise auf Chlorideinwirkung in Form von z. B. Ausblühungen, Schadstellen und Rissbildungen an den Stützen- und Wandsockeln vorhanden.
Zur Feststellung des IST-Zustandes wurden im Jahr 2022 Bauwerksuntersuchungen durchgeführt. In den Sockelbereichen der Stützen- und Wände waren teilweise hohe und stark über das kritische Maß von 0,5 M.-% bez. a. Z. hinausgehende Chlorid-Gehalte von bis zu max. 5 M.-% bez. a. Z. vorhanden.
Die etwa 250 mm dicke Bodenplatte mit einer mittig eingebauten Bewehrungslage (gemessene Betonüberdeckung 110 bis 130 mm) kann als nichttragende Bodenplatte eingestuft werden. Die Betonoberfläche dient als Verkehrs- und Parkbelag und zur Ableitung des Oberflächenwassers in die in der Mitte der Fahrgasse angeordneten Gullys. Die an Bohrkernen ermittelte Betondruckfestigkeitsklasse C55/67 war ungewöhnlich hoch. Die Betonoberfläche des Bodens war glatt und wies keinerlei Abplatzungen auf. In der Mitte der Fahrgasse verlief von Gully zu Gully fast über die gesamte Länge der Tiefgarage ein Riss. Der Riss wurde in der Vergangenheit über Bohrpacker injiziert und die Rissufer waren nicht ausgebrochen.
Die Instandsetzung der chloridbeanspruchten tragenden Bauteile wie Stützen-/ Wandsockel und angrenzenden Bodenbereiche erfolgte nach dem Verfahren 7.2 „Ersatz von chloridhaltigem Beton“ der TR IH.
Außerdem wurde die undichte Gebäudedehnfuge an der TG-Decke zwischen den Stellplätzen 23/24 und 8/9 von oben abgedichtet. Dafür musste der Boden und Bewuchs in der Gartenanlage darüber entfernt werden, die Betonoberflächen links und rechts der Dehnfuge vorbereitet und eine vliesarmierte Flüssigkunststoffabdichtung (PMMA) in der „Schlaufenvariante“ appliziert werden.
Nach Abschluss der Betoninstandsetzungsarbeiten wurden sämtliche Betonflächen oberhalb der Sockel (ab 50 cm über Boden) und Deckenuntersichten gereinigt und anschließend ein OS 2 Oberflächenschutz-System gemäß dem Verfahren 8.3 „Erhöhung des elektrischen Widerstandes mittels Beschichtung“ der TR IH aufgetragen. Abschließend erfolgten die Markierungsarbeiten der Fußgängerbereiche sowie der Stellplätze für Kfzs und Fahrräder.
Bei der Instandsetzung wurden zusammenfassend folgende, wesentliche Maßnahmen durchgeführt:
- Einbau der Hilfsabstützung nach Angaben des Tragwerksplaners
- Abtrag des chloridbelasteten Betons an den Sockeln der Stützen und Wänden (bis hinter die Bewehrung, Bearbeitungshöhe 50 cm) sowie an den angrenzenden Bodenbereichen (bis 80 mm Tiefe, Streifenbreite ca. 15 cm) im Pilgerschrittverfahren mittels HDWS-Handlanze
- Reprofilierung der Stützen- und Wandsockel mit Pumpbeton
- Sockelschutz bei Stützen und Wänden (EP Dreieckskehlen und adaptierte OS 8 Beschichtung bis 50 cm Höhe)
- Diffusionsoffene OS 8 Beschichtung auf den angrenzenden Bodenflächen (Streifenbreite 15 cm)
- Aufgraben und Abdichten der Gebäudedehnfuge mittels vliesarmiertem Flüssigkunststoff (PMMA) in der Schlaufenvariante
- OS 2 Oberflächenschutz oberhalb der Sockel und Deckenflächen
- Markierung und Nummerierung der Parkplätze




